Erkundung

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vor 3 Tagen

Spielvertiefung macht Ferien

Hey, im Juli hab ich doch laut Logbuch tatsächlich 15 Artikel veröffentlicht – das ist Rekord des Jahres 2026! Nicht, dass ich das anstrebe. Aber es freut mich, dass ich in etwa drei Beiträge pro Woche hinbekomme. So lange dieser innere Antrieb und die Lust auf Spiele sowie Geschichten da ist, wird der Spaß am Schreiben und Sprechen hoffentlich nicht verfliegen. Ob das mit meiner spielkulturellen sowie altmodischen Herangehensweise bis zur Rente reicht, ist natürlich eine andere Frage.

Letztens hat mich wieder ein selbst ernannter AI-Experte über LinkedIn kontaktiert, der ganz toll fand, was ich so auf Spielvertiefung mache. Wirklich “spannende Gaming-Themen” haben sie da, Herr Luibl! Dann wollte er mir dabei helfen, noch effizienter zu werden und meinen “Content” locker zu verdreifachen. Er hat sogar Beispiele geschickt und auf die Verlage hingewiesen, die damit erfolgreich sind. Darüber könne man auch “sehr gerne” in einem Podcast sprechen.

Während ich ihn blockierte, dachte ich mir, dass alles Oberflächliche und Primitive gerade brandbeschleunigt wird. Und dass die Prediger maschineller Produktivität einfach nicht verstehen, worum es Menschen geht, die aus sich heraus etwas erschaffen und die Freude am Weg zum Ziel behalten wollen. Selbst wenn es nur eine kleine Erkundung ist, mag ich den Prozess dahinter. Ich setze mich vor den PC, das Grübeln beginnt und die Suche mit all ihren offenen Fragen folgt, bis ich erste Notizen mache, die noch recht wirr im Trüben umher schwimmen.

Plakat der Reederei Hamburg Süd von Ottomar Anton,
Internationales Maritimes Museum Hamburg, gemeinfrei.

Das ist wie beim Angeln: Man braucht einfach Geduld, bis etwas anbeißt. Aber selbst wenn mal nichts dabei ist, hat man eine schöne Zeit und beobachtet etwas, das sich langsam füllt. Und vielleicht folgt aus einem skizzierten Text oder lose baumelnden Ideen ja morgen ein Artikel. Oder übermorgen. Gerade wenn es um ausführlichere Rezensionen geht, hat mir dieses Liegen und Reifen lassen, Auswerfen und Einholen oft geholfen, das Wesen eines Spiels besser zu fassen.

Denn sie können recht glitschig sein, diese analogen und digitalen Erlebnisse. Man weiß gar nicht so genau, warum und weshalb das, was da zwischen Controller und Bildschirm oder Spielfiguren und Tisch zappelt, für diese oder jene Art von Unterhaltung oder Langeweile sorgt. Und wie viele Facetten es da gibt! Häufig scheitere ich daran, das wirklich schlüssig zu beschreiben. Dann verliert man sich in Floskeln und Allgemeinplätzen, man schlingert am Kern vorbei. Warum soll ich also nicht diese Zielerfassung der KI nutzen?

Ganz einfach: Weil sie vorgefertigte raubkopierte Scheiße ist. Sie degradiert mich zum Automaten und erstickt meine handwerkliche Freude an Text und Sprache. Natürlich ist das meine ganz persönliche Abneigung. Jeder soll das in seinem Job so handhaben, wie er möchte. Und na klar gibt es sinnvolle Einsatzgebiete, die Menschen helfen. Aber das ist auf meine Arbeit bezogen so, als würde man aus einem bisher anspruchsvollen sowie ästhetisch erfüllenden Abenteuer namens Spielvertiefung eine billige Tour am Krückstock der Prompts machen wollen.

Wenn ich das als Jahrgang 1973 wie betreutes Schreiben am Rollator empfinde, spricht da natürlich ein selbst entlarvender Alterstrotz. Und zwar von jemandem, der TikTok und Influencer genau so meidet wie Free-to-Play oder Pay-to-Win. Da spricht also jemand aus einer Enklave, der zwar als Vater zweier Töchter viel Verständnis für die Jugend hat, aber wenig Toleranz für digitale Phänomene der vertikal Gewinn maximierenden Art, die das Gehirn immer mehr auf den rein konsumierenden Story-Modus runter trainieren.

Mittlerweile fühl ich mich fast wie ein Peter Lustig in seinem Wohnwagen, wenn ich ohne Sprachmodelle & Co in meinem Löwenzahn-Garten irgendwelche Ideen anpflanze. Aber der wurde kürzlich in WordPress-Farben gestrichen, yeah! Und davor sitzen immerhin noch über 650 Leute. Die haben seit fast fünf Jahren irgendwie Lust drauf. Hinzu kommen all die Unsichtbaren, die zumindest interessiert durch die Paywall-Hecke spicken. Ich grüße euch, lasst doch gerne mal ein Abo für den älteren Mann mit Bart da, der so gerne über Spiele grübelt!

Auf jeden Fall braucht der jetzt mal eine Pause und macht Ferien. Für eine große Reise in die weite Welt wie auf dem Plakat der Reederei reicht es nicht – das mach ich, wie so vieles andere, wenn ich diese 1000 Abonnenten erreiche, die wie eine Fata Morgana in der Ferne flimmern. Ich bleibe derweil in Hamburg, werde mal am Hafen und durch die schönen Parks spazieren und endlich ins Kino gehen. Da verirrt sich ja auch gerade jemand in einer Zeit der Monster und findet letztlich einen Weg.

Ihr seid ja immer noch da? Jetzt aber wirklich abschalten! Es kommt hier nichts mehr bis zum 24. August.

Ich wünsche lange Spielzeit und angenehme Bosse



Jörg Luibl

PS: Falls es etwas Neues zur möglichen GEE#76 gibt, melde ich das im privaten Discord-Channel von Spielvertiefung.

4 Kommentare

  • Ich wünsche einen schönen Urlaub.

    Absurd, leidenschaftliche Schreiber und Künstler anzuschreiben und ihnen anzubieten sich selbst ersetzen zu lassen. Irgendwie verrückt.

    Weiterhin wünsche ich dir viel Erfolg mit der Seite und dass noch mehr Leute an Bord kommen. Durch aggressives Guerilla Marketing … oder so!

  • Maximilian Arnold

    Hallo Jörg, Deine Abneigung gegen AI verstehe ich gut. Wir schreiben auch lieber ganz klassisch unsere Texte für Sponsored Content. Apropos Sponsored Content: Mit meiner Hilfe ließen sich Deine Einnahmen locker verdreifen. Darüber und über SEO (hier sehe ich ebenfalls weiteres Optimierungspotential in Deinem Angebot) können wir auch sehr gerne in einem Podcast sprechen.

  • Ich wünsche eine erholsame Auszeit. Bis bald!

  • Dann wünsche ich einen schönen Urlaub und tanke viel neue Kraft, um weiter zu machen.
    Ciao
    Patrick

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