Bis zum 3. März geht es auf Steam nur um eines: kommende Spiele ausprobieren. Die gute alte Gratis-Demo war zwar nie ganz verschwunden, aber lange Zeit dominierte der Early Access samt Vorabzahlung die digitalen Shops. Geoff Keighley und Valve haben ihnen dann 2019 den roten Teppich für ein spektakuläres Comeback ausgerollt: Als das erste Game Festival startete, ging es noch um bescheidene 13 Demos. Im Frühling 2020 waren es dreimal so viele und schon im Sommer desselben Jahres fluteten über 900 Spiele durch die Kanäle. Bald darauf wurden regelmäßig die 1000 geknackt und das aktuelle Steam Next Fest listet 2098 (!) Spiele. Puh...und da ist wie immer wesentlich mehr Masse als Klasse dabei.
Bei mir sind zwar über ein Dutzend Spiele auf der Festplatte gelandet, die meisten habe ich jedoch nach nur wenigen Minuten deinstalliert und so richtig Großartiges habe ich bisher nicht entdeckt. Aber manches hat mich durchaus gut unterhalten. Die beiden prominenten Comebacks, einmal The Talos Principle Reawakened, das Remake der famosen Laser-Puzzle-Premiere von 2014, sowie das Remake zu Gothic von 2001, habe ich erstmal ausgelassen, zumal ich Letzteres lieber in der finalen Version als nach dieser Demo einschätzen möchte. Hier sind in alphabetischer Reihenfolge die Spiele, in die ich bisher reingezockt habe und die mindestens einen soliden Eindruck hinterließen.
Arctic Awakeing (PC, PS5, XBS)
Man stürzt im Jahr 2062 irgendwo in Alaska ab und erlebt ein narratives Adventure in Egosicht. Es erinnert an das frostige Survivalerlebnis aus The Long Dark (2014), aber hier ist man nicht alleine unterwegs, sondern hat einen Roboter dabei. Zu diesem baut man je nach Kommunikation und Verhalten ein anderes Verhältnis auf und kann die Geschichte beeinflussen. Das ist allerdings kein R2D2, sondern ein vom Gericht verschriebener Maschinen-Therapeut, was in der Kommunikation einiges an Überraschungen und vielleicht einen Hauch von Firewatch (2016) verspricht. Ziel für das ungewöhnliche Duo ist es, die Ursache für den seltsamen Sturm sowie den vermissten Co-Piloten zu finden, um nach Hause zu kommen. Dabei trifft man auf eine Landschaft mit teils futuristischen Ruinen und seltsamen Wetter-Vorkommnissen, außerdem ist man wohl nicht alleine in der Wildnis, was ein wenig an die unheimlich-außerweltliche Ausgangssituation in Pacific Drive (2024) erinnert. Jetzt habe ich in diesem kurzen Text schon drei Spiele als Vergleich genannt, die ich sehr mag. Das Spiel der GoldFire Studios aus Oklahoma war mal in Episoden angelegt, aber wird mit allen fünf Kapiteln komplett in diesem Jahr veröffentlicht. Noch gibt es allerdings keinen konkreten Termin.
Blue Prince (PC, PS5, XBS)
Das Puzzle-Adventure von Dogubomb wurde auf der State of Play von Sony kurz gezeigt und hat mich neugierig gemacht. Nicht in erster Linie aufgrund des ansehnlichen Cel-Shadings, sondern weil das Prinzip der wechselnden Räume an das Brettspiel Betrayal at House on the Hill (2004) erinnert. Allerdings geht es hier nicht um Horror, Flüche und Verrat in einer Gruppe. Man schlüpft in die Rolle eines Erben, der u.a. das Verschwinden eines Kinderbuchautors aufklären will. Es geht eher entspannt, gediegen zurückhaltend und leicht mysteriös zu, wenn man das Herrenhaus und dutzende Räume in Egosicht erkundet. Ziel ist es, das ominöse Zimmer 46 zu finden. Das Besondere an der Suche ist, dass dieses Herrenhaus keinen festen Grundriss besitzt und man selbst die dynamisch wechselnde Route festlegt: Wenn man vor einer Tür steht, darf man aus einem zufälligen Vorrat an Zimmern wie Terrasse, Kapelle, Abstellkammer, Küche, Flur etc. einen Raum auswählen. Da diese nicht immer Ausgänge nach allen Seiten haben, und das Betreten mancher Räume das vorherige Platzieren anderer bedingt, kann man sich quasi Sackgassen bauen. Und je nachdem wie man die darin befindlichen Gegenstände, darunter Schlüssel, Edelsteine, Geld etc. einsetzt, kommt man ebenfalls anders voran. Allerdings hat man nur einen Tag Zeit, denn sobald es dunkel wird, muss man von vorne beginnen - es sei denn, man hat eine seltene dauerhafte Veränderung vorgenommen. Ähnlich wie in den schwarzweißen Hotelfluren von Loreley and the Laser Eyes (2024) geht es also darum, die Geheimnisse hinter einem Anwesen zu lüften, wobei die Rätseldichte und der Anspruch hier wesentlich geringer auszufallen scheinen, zumal es in vielen Räumen keine Interaktivität oder etwas zum Knobeln, sondern lediglich etwas zum Einsammeln gibt. Allerdings findet man auch einige Briefe mit Hinweisen und immer wieder Zahlen und Symbole. Ich habe bisher nur an der Oberfläche gekratzt, aber bin weiter neugierig auf das Rätseldesign und mag die ruhige Atmosphäre. Blue Prince erscheint am 10. April für PC und alle Konsolen, bis auf Switch.
Als Portal (2007) den Ego-Shooter so umkrempelte, dass nicht mehr der Lauf irgendeiner Gun, sondern das Gehirn qualmte und gleichzeitig eine süffisante Geschichte erzählt wurde, sorgte der überraschende Erfolg für einige Nachahmer. Im Jahr 2015 knüpfte der Puzzle-Plattformer ChromaGun mit seinen Testlaboren sowie dem Humor daran an, aber brachte ähnlich wie das kurz vorher veröffentlichte Splatoon (2015) jede Menge Farbe ins Spiel, die man auf Wände und Droiden schießen konnte. Das Ergebnis war zwar nicht so grandios wie das Abenteuer mit GLaDOS, aber die Pixel Maniacs aus Nürnberg sorgten für gute Unterhaltung mit kniffligen Rätseln. Der Nachfolger wurde in in vielen Bereichen wie Farbmischung und -entfernung, Dimensionswechsel sowie Physik erweitert und basiert darauf, dass Farben wie Magnete bestimmte Objekte anziehen. Sprich: Man kann mit vielen Wechselwirkungen in den Labors experimentieren. ChromaGun 2: Dye Hard macht in seinen vier Probelevels schon richtig Laune und soll irgendwann dieses Jahr für den PC erscheinen.
Deck of Haunts (PC, PS5, XBS)
In dieser Kartentaktik geht es darum, Besucher eines im Spieler personifizierten Horror-Anwesens möglichst effizient in den Wahnsinn zu treiben und umzubringen. Sobald sie des Nachts durch die Tür treten, kann man ihren Verstand oder Körper direkt mit Handkarten malträtieren, bis die entsprechende Leiste geleert ist. Außerdem kann man sie aus Räumen verbannen, selbige verschließen, fiese Fallen platzieren, für Eiseskälte sorgen und so die Anspannung erhöhen, die wiederum ein Multiplikator für negative Effekte ist. Aber Vorsicht: Wenn die Erkunder den Herzraum finden oder wenn ihnen in der Panik die Flucht gelingt, kann man selber Schaden erleiden. Außerdem betreten immer mehr Spezialisten wie Steinmetze das Anwesen, die den direkten Weg zum Herz des Horrors suchen. Und weil das ein Roguelike ist, geht es mal wieder darum, möglichst lange an einem Stück erfolgreich zu sein. Also sollte man seine über Tote verdiente Essenz des Schreckens tagsüber in neue Räume wie Glockentürme, Waffenkammern, Altäre etc. investieren, um die Anspannung der Besucher noch früher zu erhöhen, Geister anzulocken, Karten zu opfern oder ganz einfach für ein möglichst mörderisches Labyrinth zu sorgen. Ich hab ja sehr gerne in Dungeon Keeper den miesen Overlord oder den Evil Genius mit seinen Agenten gespielt, hier riecht es im Einstieg ein wenig nach Cthulhu und die Räume sehen teils stimmungsvoll aus. Für ein, zwei Runs ist die morbide Ernte durchaus unterhaltsam, aber der böse Funke wollte nicht so recht überspringen. Deck of Haunts wird von Mantis Games in Belgien entwickelt, soll demnächst für PC und später für Konsolen erscheinen.
Drop Duchy (PC)
Wenn man Brettspiele, Kartentaktik und digitale Puzzler mag, dann dürfte Drop Duchy auf den ersten Blick anlocken: Hier platziert man wie im Klassiker Tetris geometrisch geformte Wälder, Wiesen, Flüsse & Co in einem Raster, wobei Bauernhöfe eine Wiese in ein Weizenfeld verwandeln. Wenn man die Blöcke dreht und Flächen erschafft, kann man mehr Holz, Weizen sowie Gold ernten. So weit, so unspektakulär. Aber dann kommt ein Schuss Age of Empires hinzu: Denn es regnet auch Lager, Kasernen und Türme, die in idealer Umgebung von Wald oder Wiese wiederum mehr Einheiten wie Bogenschützen, Schwert- und Axtkämpfer trainieren. Man baut immer wieder ein neues kleines Königreich aus Blöcken auf und muss bald feindliche Lager platzieren, die man im Idealfall so mit ineffizienten Blöcken umrahmt, dass sie wenig Soldaten rekrutieren, während man für seine Bereiche möglichst effiziente Verbindungen schafft. Wenn das Raster voll ist, kommt es zu automatisch berechneten Gefechten, die man in einer zusammenhängenden Linie von A über B bis C und so weiter ausführen muss: Man verbindet per Maus seine Truppen, die sich dann verstären oder den Typ ändern können, und legt die Reihenfolge der Angriffs auf Feinde fest, die dann anhand von Schere, Stein, Papier ausgezählt werden - das wirkte etwas unspektakulär, aber man muss beim Rechnen immerhin ein klein wenig grübeln. Wenn man gewinnt, setzt man auf einer Weltkarte seinen Weg fort und wählt ein weiteres Gebiet. Mit den Rohstoffen kann man weitere Karten kaufen, die wiederum neue geometrische Formen bzw. Gebäude und Kasernen freischalten. Außerdem kann man vorhandene Karten verstärken, so dass taktisches Deckbuilding gefragt ist. Wenn die eigene Burg zerstört bzw. ihre Lebenspunkte verbraucht wurden, heißt es Game Over. Aber als Roguelite gibt es dann ja einige permanente Verbesserungen im Kartendeck, so dass man im nächsten Run stärker ist. Zwar wirkt die charmante Bilderbuchkulisse manchmal ein wenig zu clean, die Weltkarte etwas fade, aber das Spiel vom Sleepy Mill Studio aus Frankreich hat immer wieder für ein, zwei Runden Laune gemacht und dürfte ideal als Zeitvertreib für unterwegs sein. Es soll am 5. Mai für den PC erscheinen.
Ich mag Rundentaktik in kleinen interaktiven Arealen, so wie im wunderbaren Into the Breach oder kürzlich in Metal Slug Tactics. Deshalb hab ich mal in Knights in Tight Spaces von Ground Shelter aus Bristol reingespielt, die damit an Fights in Tight Spaces (2020) anknüpfen, in dem es um Agenten ging. Hier haben sie die Kartenzahl allerdings auf 300 verdoppelt, Party-Management sowie ein mittelalterliches Szenario hinzugefügt. Man beginnt das Abenteuer mit einer Klasse seiner Wahl wie Dieb, Bogenschütze & Co, aber die Gruppe wächst bald an, während man auf einer Weltkarte neue Orte auswählt und eine unspektakuläre Geschichte erzählt wird - die Erzählweise erinnert zwar mit Dialogoptionen an Abenteuer-Spielbücher, aber wirkt bisher recht steril und die Präsentation will auch mit den schnellen Beats eher cool als episch sein. Die Gefechte in den beengten Tavernen und Hinterhöfen spielen sich angenehm flott und bieten viele Kombos. Außerdem kann sich der schraffierte, leicht abstrakte Zeichentrickstil durchaus sehen lassen und die teils mit Motion Capturing erstellten Manöver werden ansehnlich animiert. Man wählt aus seinen Handkarten eine Aktion, kann auf diverse Arten angreifen, kontern, bewusstlos schlagen, vergiften und Punkte für Spezialmanöver ansammeln. Wer sich und seine Feinde clever bewegt, sorgt im Idealfall für böses Friendly Fire und die Umgebung lässt sich nutzen, indem man Feinde mit Wänden kollidieren lässt oder z.B. Abgründe hinunter tritt. Etwas seltsam wirkte, dass sich mein Bandit in den ersten Kämpfen trotz klarer Unterzahl recht einfach durchprügeln konnte. Je weiter man voran schreitet, desto mehr der 300 Karten schaltet man frei; außerdem kann man seine Gefährten mit Waffen und Tränken ausrüsten. Das spielt sich für ein, zwei Gefechte unterhaltsam, aber was haben die taktische Grübelei und die Story auf längere Strecke zu bieten? Am 4. März kann man das auf dem PC herausfinden.
Yes, Your Grace: Snowfall (PC, XBS, SW, iOS)
Lust darauf, ein Fantasy-Königreich zu managen, in dem man teils knifflige Story-Entscheidungen treffen muss? Inklusive dem Aufbau der Wirtschaft, Familienplanung sowie politischer Intrigen? Dann könnte dieser in stimmungsvoller Pixelkulisse inszenierte Mix aus Strategie und Rollenspiel interessant sein. Das Team von Brave at Night hat mich schon 2020 in der Rolle von König Eryk recht gut unterhalten. Man kann seine Entscheidungen von damals übertragen oder komplett neu anfangen. Die Geschichte beginnt ein Jahr nach den Ereignissen, der Nachwuchs ist da, aber etwas kränklich und man spürt von Beginn an, dass man als Vater, Ehemann und als Verwalter eines Königreichs ganz unterschiedlich gefordert wird. Diesmal naht auch der Winter und man muss sein Reich gegen drohende innere und äußere Konflikte wappnen, indem man Woche für Woche Entscheidungen trifft, ob und wie man Bittstellern hilft oder auf welche Art man einen Hinterhalt vorbereitet. Man kann seine Agenten mit Aufgaben betreuen, aber die haben nur begrenz Zeit und müssen nach jeder Phase bezahlt werden. Wohlstand erreicht man wiederum, indem man den Leuten hilft, aber man kann es auch nicht allen recht machen. Mir hat die Demo gut gefallen und ich werde dieses Königreich im Auge behalten, das noch im ersten Quartal 2025 erscheinen soll.
Ich heiße Jörg Luibl, bin freier Journalist und biete mit Spielvertiefung seit November 2021 ein unabhängiges Magazin an, in dem die Kultur und nicht der Klick relevant ist. Ich arbeite alleine und verzichte komplett auf Werbung, Kooperationen sowie über KI erstellte Inhalte. Diese Alternative zum Reichweiten-Journalismus ist nur dank der Unterstützer über Steady möglich. Vielen Dank an alle Abonnenten!
Hab auch einiges nur kurz angespielt und wieder deinstalliert. Wobei ich die Möglichkeit DEMOS anzubieten echt gut finde. Nur sind das auf nen Schlag einfach zu viele. Könnte sich eher übers Jahr verteilen.
Für mich 2 kleine Überraschungen und Demos die mein Interesse geweckt haben sind:
NEON INFERNO
Ein Side-Scroller/Shooter, mit wunderschönem Pixelart.
Sowie TOTAL CHAOS.
Ein atmosphärischer (Nahkampf? ) Shooter von den TURBO OVERKILL Machern. Schlägt aber in ne gänzlich andere Richtung. Hat mich recht überrascht und in weiterem Sinne etwas an CONDEMNED erinnert. Mit etwas mehr Rätsel und Entdeckungs Anteil.
Da Entwickler Monolith Dank Warner Rundumschlag ja nun auch Geschichte ist.... Hat sich das Thema ja leider erledigt.
Bin jedenfalls auf die Vollversion gespannt, weil ich da schon…
Beim Next Fest ist schon sehr viel Grütze mit dabei.
Aber Arctic Awakening tönt gut. Das könnte mal was Entspanntes für's Sofa werden, wenn es dann für PS5 da ist.