Art
Roman
Genre
Horror
Autor
Mark Z. Danielewski

Das Haus

Fazit

Wenn es einen Roman gibt, auf den das Adjektiv labyrinthisch nahezu perfekt passt, dann ist es Das Haus. Der Amerikaner Danielewski erzählt eine scheinbar simple Horror-Geschichte, in der sich ein Mann mit seiner Familie in ein Haus zurückziehen und einen Dokumentarfilm über diesen neuen Lebensabschnitt drehen will. Dann geschehen, wie zu erwarten, seltsame Ereignisse. Was man als Leser von klassischer Horrorliteratur allerdings nicht erwartet, ist sowohl die Form als auch der Inhalt dieses Romans, die letztlich zusammen für eine besondere Art der Unheimlichkeit sorgen. Danielewski verwebt und verzahnt sie zu einem schwarzen Räderwerk, spielt mit Figuren und Zeitlinien, Stimmen und Typographie, arbeitet mit Fußnoten und mehreren Schichten des Erzählens, mit Ahnungen und Andeutungen. Hinzu kommen sehr anschauliche, fast wie archäologische Expeditionen geschilderte Abstecher in finstere Labyrinthe eines Hauses, das im wahrsten Sinne des Wortes größer ist als man es rational messen oder erfassen kann. Die Faszination entsteht beim Lesen auch dadurch, dass das Unbegreifliche durch den dokumentarischen Charakter irgendwann fast plausibel anmutet. Aufgrund der Bezüge zu Literaturklassikern, Psychologie und Mythologie ist das alles andere als ein lockerer Pageturner, zumal man auf falsche Fährten gelockt werden kann. Aber selbst wenn es große formale und stilistische Unterschiede zu einem Stephen King gibt, gibt es auch einige atmosphärische Gemeinsamkeiten zum Altmeister. Manche werden vielleicht nie den Weg ins Finale finden, weil sie mit den akademischen Echos nicht klar kommen oder den roten Faden der Bedeutung verlieren, zumal es nur so vor Codes und Rätseln wimmelt. Aber selbst wenn man nicht alle Hinweise erkennt oder Bezüge versteht und einfach nur verwirrt weiter liest, was ja wiederum das labyrinthische Gefühl verstärkt, macht das tatsächlich Spaß. In gewisser Weise kann man das Erlebnis dieses komplex angelegten Horrors mit einem Elden Ring vergleichen, das seine erzählerischen Geheimnisse auch erst nach vielen Verwirrungen und Bosskämpfen preisgibt. Und selbst wenn man nach knapp über 800 Seiten das Finale erreicht, bleiben Fragezeichen. Das Haus ist jedenfalls ein besonderes Buch und gehört für mich zu den markantesten Lesererlebnissen der letzten Jahre. Es ist 2007 auf Deutsch bei Klett-Cotta erschienen und kostet 35 Euro.

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