Erkundung
Summer Game Fest 2026: Meine neun Favoriten
Geoff Keighley hat auf seiner World-Premiere-Parade mal wieder live aus Los Angeles das große Showfenster geöffnet, mit zig Spielen sowie Prominenz über die Welt der Videospiele hinaus. Und zwar über satte drei ermüdende Stunden. Ich überspringe eine Analyse all der Nebensächlichkeiten und komme direkt zu dem, was bei mir hängen geblieben ist. Eigentlich hätten fünf gereicht, aber weil neun Favoriten hier an Bord eine gewisse Tradition haben, gibt es sie in absteigender Reihenfolge. Ich beginne mit dem für mich interessantesten Spiel von einem großartigen Designer aus Japan, dessen Ausdruckskraft ich so richtig vermisse.
Mein Highlight der Show war gen Atlas (PC, PS5, XBS) von Fumito Ueda, das endlich einen offiziellen Namen hat und nicht mehr Project Robot genannt werden muss, aber leider noch nicht terminiert wurde. Zwei Jahre war es still um dieses futuristische Action-Adventure des Schöpfers von Ico, Shadow of the Colossus und The Last Guardian. Dieses Spiel ist ja die Premiere für ihn und sein Team bei gen Design, das unter der Flagge von Epic Games entwickelt wird. Es gibt knapp drei Minuten mit tollen Eindrücken des Artdesigns und ersten Spielszenen der offenen Welt, in denen das Monumentale in Form eines gigantischen Roboters sowie die Action im Kleinen sichtbar wird, die inkl. Schusswaffen offenbar explosiver ausfällt als in den bisherigen Fantasy-Abenteuern. Es geht laut Pressemitteilung um einen Planeten voller Ruinen und Geheimnisse sowie ein sich veränderndes Meer. Man erwacht als Held ohne Hintergrundwissen, sammelt wohl Reste eines Plans und trifft auf diesen Roboter, mit dem auch andere Konstrukte erwachen.
An Alien Isolation 2 (PC, PS5, XBS, SW2) von Sega und Creative Assembly dürfte für Freunde futuristischer Stealth-Action kein Schleichweg vorbei führen. Meine Güte, der erste Teil erschien 2014! Aber er hat bis heute bleibende Eindrücke hinterlassen und gehört zum Besten, was das Genre zu bieten hat. Allerdings ist man nicht mehr auf einem Raumschiff, sondern in freier Wildbahn sowie verlassenen Außenposten einer abgelegenen Kolonie unterwegs – bzw. ständig auf der Hut. Eine Stimme spricht auf Japanisch von einer letzten Chance, bevor jemand in Egosicht mit Leuchtfackel in die Sturm umtoste Düsternis loszieht, in der schon ein Alien faucht. Es geht erneut um Survival-Horror inkl. dem Ausnutzen von Deckung, Werkzeugen sowie Ausweichrouten.
Auch über Resident Evil Veronica (PC, PS5, XBS, SW2) habe ich mich sehr gefreut, das von vielen ersehnte Remake des Survival-Horrors aus dem Jahr 2000, der noch “Code” in seinem Namen trug. Für mich ist das der beste Teil im klassischen Spieldesign, denn der psychologische Horror und die Rätsel standen hier deutlicher im Vordergrund. Ich habe das Abenteuer rund um Claire Redfield damals auf Segas Dreamcast jedenfalls sehr gemocht; da verkaufte es sich allerdings nicht gut, erschien dann später auch für die PS2 und den GameCube. Im Gegensatz zu den bisherigen werktreuen Neuauflagen wird Capcom dieses Abenteuer in der modernen Ego-Perspektive auf der RE Engine für 2027 entwickeln. Und das, was da in Paris im Haus mit der netten alten Dame beginnt, sieht schon verdammt gut aus. Ich freue mich auf Claire, ihren Bruder Chris und Chris Burnside. Oder wird Capcom mehr als drei spielbare Charaktere anbieten? Egal, was die Japaner aktuell machen: sie liefern hohe Qualität.
The Blood of Dawnwalker (PC, PS5, XBS) gehört zu den spannenderen Action-Rollenspielen der nahen Zukunft, denn es erscheint schon am 3. September. Bei den Rebel Wolves aus Polen, einem “aus Liebe zum Rollenspiel geborenen Studio”, erinnern nicht nur die Heimat und die Positionierung über Leidenschaft, Erzähltiefe & Co sowie die Nutzung der Unreal Engine 5 an CD Projekt RED. Wenn man sich die mittelalterlich-europäische Fantasy anschaut, die in eine offene Welt des 14. Jahrhunderts mit Pest und Vampiren entführt, würde man sich aufgrund der Ähnlichkeiten nicht wundern, wenn auch Geralt und Ciri da irgendwo auf der Jagd sind. Ich bin mal gespannt, ob es spielmechanisch überzeugen kann.
1666 Amsterdam (PC) ist ein historisch inspiriertes Action-Adventure in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts. Und wie die drei Sechsen schon andeuten, geht es um Okkultismus sowie Hexerei. Man schlüpft in die Rolle von Noa, die dämonische Wesen in Menschen aufspürt, indem sie tagsüber nach Hinweisen sucht und nachts auf actionreiche Jagd geht; die Story spielt mit Zeitlinien zwischen 1333 und 1999 sowie einer “Welt hinter de Welt”. Es entsteht bei Panache Digital Games in Montreal, dem Studio vom ehemaligen Assassin’s-Creed-Entwickler Patrice Désilets. Ach so: Den Prolog kann man in der PC-Version schon spielen; der Early Access soll dieses Jahr starten, aber es gibt noch keinen Termin.
Aus Control Resonant (PC, PS5, XBS) werde ich zwar noch nicht ganz schlau, aber es macht im neuen Trailer mal wieder neugierig auf seine surreale Horrorwelt. Im Gegensatz zum Vorgänger Control aus dem Jahr 2019, den Remedy Entertainment als Shoooter inszenierte, geht es diesmal offiziell um ein Action-Rollenspiel mit mehr Handlungs- und Erkundungsfreiheit sowie einem Fokus auf Nahkämpfen samt Kombos. Dylan Faden, der Bruder der Heldin Jesse aus dem Vorgänger, ist mit übernatürlichen Fähigkeiten auf der Suche nach seiner Schwester, kämpft sich in Schultersicht durch Manhattan fast wie in Devil May Cry und hat es u.a. mit kosmischen Schrecken zu tun. Man ist am 24. September nicht in offener Welt unterwegs, aber es soll große Areale samt Geheimnissen und Nebenquests geben.
An Crossfire (PC, PS5, XBS) hat mich ebenfalls das Übersinnliche und die entfernte Ähnlichkeit mit Spielen wie The Last of Us und dem letzten Metal Gear neugierig gemacht. Es sieht zunächst aus wie ein gewöhnlicher Deckungs-Shooter, aber ist wohl eher ein taktisches Action-Adventure in Schultersicht. Neben dem Militärischen schleicht sich bald etwas Mysteriöses ein, das die Story ebenso prägen soll wie die Rivalität der beiden Hauptfiguren, die nur widerwillig zusammen arbeiten. Und es sieht richtig gut aus.
Star Wars Zero Company (PC, PS5, XBS) entsteht bei Bit Reactor, bei denen immerhin viele Ex-Leute von Firaxis arbeiten, sowie Respawn Entertainment und spielt zur Zeit der Klonkriege. Der Trailer konnte mich zwar nicht direkt rocken, aber weil ich Rundentaktik à la XCOM ebenso mag wie Star Wars, werde ich da mal reinspielen.
Last but not least ein Soulslike. Auch wenn ich des Genres müde bin und mich am ehesten auf Lies of P 2 freue, ist Lords of the Fallen II (PC, PS5, XBS) einen Blick wert. CI Games wird es ja noch dieses Jahr im Herbst veröffentlichen.
Ach so, weil Blood Message im Vorfeld der Show so von Keighley gepusht wurde: Ich kann Fantasy-Abenteuern aus China nichts mehr abgewinnen, egal wie gut sie technisch gemacht sind. Erstens wird das so langsam eine Flut immer gleicher Inszenierung, mit immer gleich aussehenden Helden. Zweitens locken mich diese pseudohistorischen Szenarien meist nicht an. Und drittens stört mich auch das nicht direkt ersichtliche, aber oft im Hintergrund verknüpfte machtpolitische Konzept der Soft Power.











6 Kommentare
Hallo Jörg,
danke für den Bericht, ich hatte weder die Zeit noch den Nerv, da zuzuschauen. Insofern eine wunderbare Zusammenfassung!
Eine bzw. zwei Fragen habe ich noch. Das Statement zu “Blood Message”: Ich selbst habe praktisch keines der chinesischen Spiele gespielt, insofern sind die für mich noch nicht verbrannt.
Zwei Aussagen fand ich allerdings etwas vage: Was genau meinst du mit “pseudohistorischen Szenarien” bzw. welche Vergleichsspiele würdest du positiv davon absetzen? Und zweitens: Wo siehst du bzw. was meinst du mit “machtpolitische(s) Konzept der Soft Power”?
Ich könnte natürlich spekulieren, aber ich frage einfach und schaue, ob du den Nerv hast zu antworten und diese beiden Aussagen etwas genauer auszuführen. Danke schon einmal!
Zur Soft Power: Russland und China nutzen Videospiele strategisch, um ihre kulturpolitisches Weltbild zu verbreiten. Es gibt da große Unterschiede, ich werde dazu nochmal ausführlicher etwas sagen, vermutlich in einer Flaschenpost. Ich empfehle meine Rezension zu Atomic Heart; da gehe ich z.B. auf die Propaganda des Kreml ein. China macht das cleverer, geht thematisch weiter zurück in seine Vergangenheit oder in die Fiktion und hat wesentlich mehr Einfluss auf die Branche; Stichwort: Tencent. Die USA haben das quasi erfunden und Videospiele nicht nur als Mittel der Außenwirkung, sondern für die Rekrutierung im Inneren genutzt, siehe America’s Army.
Hi Jörg,
hast Du überhaupt Lies of P 1 gespielt / rezensiert? – Hab nichts davon gesehen / gelesen, weil Du dich auf den zweiten Teil freust. Ich habe den ersten Teil verschlungen, zig mal durchgespielt – bis ich alle Waffen etc. ausprobiert hatte. Für mich ist Lies of P mit Abstand das besten Souls-Like und spielt auch im Vergleich mit den original Souls Spiele ganz ganz oben mit. Ich fand die große leere Open World von Eldin Ring unnötig. Wenn man nur die Dungeons mit Lies of P vergleicht fand ich Lies of P besser und die Story und Atmosphäre sowieso. Freue mich schon tierisch auf Teil 2 🙂
Grüße
Jep, Lies of P hab ich im Oktober 2023 in der Breitseite #10 besprochen. Aber so unterhaltsam das war: Elden Ring ist eine ganz andere Liga – in nahezu allen Belangen.;)
Ich war überrascht wie gut die Ankündigungen zum Summer Game Fest 2026 waren. Leider(!!!) holt mich das was bislang vom neuen Spiel von Fumito Ueda zu sehen war überhaupt nicht ab. Auch wenn sein Stil durchaus mal durchblitzt, noch sehe ich nicht was an diesem Spiel besonders sein soll. Aber abwarten.
Mein persönliches Highlight war die Ankündigung von Stellar Blade – Blood Rain. Stellar Blade war das Spiel das mir 2024 mit großen Abstand den meisten Spaß gemacht hatte.
Hast Du denn schon mehr als in dem kurzem Clip davon gesehen? Wo? 🙂 Abwarten ist auf jeden Fall eine gute Idee und trotzdem macht mich persönlich der kurze Clip sogar Optimistisch. Ich erwarte hier irgendwie aber sowieso etwas, was man gar nicht in so einem Video rüberbringen könnte. Man erwacht einfach auf einem fremden Planeten…. nein, das klingt gar nicht besonders, der Clip ist nichts besonderes, aber der Fumitu ist es 🙂