Art
Comic
Genre
Superhelden, Apokalypse
Autor
Mark Millar (2008)

Wolverine: Old Man Logan

Fazit

Für viele, viele Jahre konnten mich die Comics von Marvel nicht mehr abholen, obwohl mich Spider-Man, Wolverine, Silversurfer & Co in meiner Kindheit lange begleitet und sogar zum Zeichnen animiert hatten. Aber andere Figuren und Formate waren bald interessanter, darunter Berserk, Vagabond, Thorgal oder Sláine: The Horned God.

Wenn ich als Erwachsener etwas aus Amerika las, dann war es Saga von Brian K. Vaughan, Black Science von Rick Remender, 100 Bullets von Brian Azzarello oder Criminals von Ed Brubaker. Die klassischen Superhelden waren in der Versenkung verschwunden. Ich hatte kürzlich mit Christian Endres im Podcast über die Geschichte von Spider-Man über dieses abgekühlte Verhältnis gesprochen.

Aber dann entdeckte ich 2010 an einem Bahnhofskiosk Wolverine: Old Man Logan in der deutschen Version. Ich mochte das Cover mit dem ergrauten Mann, der seine blutige Klaue zeigt, sofort. Dem Kanadier SteveMcNiven ist es gelungen, es eher wie einen düsteren Western als einen Superhelden-Comic wirken lassen, farblich erdverbunden statt bunt, nahezu alles ist hier von der Sonne versengt oder droht zu verfallen.

Auf den folgenden Seiten entfesseln seine Zeichhungen dann eine brutale Tour de Force durch ein apokalyptisches Amerika auf der Erde-807128. In der Story von Mark Millar (u.a. Kick-Ass, Wanted) hat sich der gealterte Mutant James Howlett, der sich selbst Logan nennt und bei den X-Men als Wolverine berühmt wurde, als Farmer und Familienvater nach Kalifornien zurückgezogen. Er will dort eigentlich nur sein Ruhe haben und nicht mehr kämpfen, aber hat nicht nur Geldprobleme.

Denn dieses Amerika ist 50 Jahre in der Zukunft alles andere als friedlich, Terror und Gewalt sind an der Tagesordnung. Es gab einen verheerenden Krieg, die meisten Superhelden wie Thor wurden umgebracht, Überlebende werden gejagt, viele Städte wie San Francisco wurden zerstört und die Superschurken haben die Vereinigten Staaten unter sich aufgeteilt – mit Johann Schmidt aka Red Skull als Präsidenten. Das ist ja der Gründer der SS-Organisation Hydra und Erzfeind von Captain America.

Auf jeden Fall wirkt dieses Amerika auf den 212 Seiten wie eine Mad-Max-Variante von Marvel, in der auch eine gnadenlose Portion Walking Dead eingeflossen ist. Schon im Einstieg werden interessante erzählerische Veränderungen und Verknüpfungen zum Schicksal anderer Superhelden deutlich. Logan muss z.B. Miete an den mittlerweile verrückten Bruce Banner und dessen Hulk-Gang zahlen, die über den Westen herrschen.

Als sie das Geld eintreiben wollen, wird Logan von ihnen brutal zusammen geschlagen – ohne dass er sich wehrt. Das sind starke und für Kenner von Wolverine ebenso ungewöhnliche wie bedrückende Szenen. Als sie ihm drohen, beim nächsten Mal seine Frau und die beiden Kinder zu töten, nimmt er wider Willen einen Boten-Auftrag an, der ihn bis zur Ostküste führen soll – in einem bemerkenswerten, sehr harten Abenteuer.

An dieser Stelle werde ich nichts mehr verraten, aber ich hab diese Geschichte damals verschlungen. Sie konnte mit ihrer Perspektive wieder die Neugier auf alte Bekannte wecken, darunter auch Hawkeye. Sie erschien erstmals 2008 innerhalb der Wolverine-Hefte, wurde dort von Band 66 bis 72 erzählt, bevor sie dann 2016 als eigenständige Serie namens Old Man Logan fortgeführt wurde und 2017 den Kinofilm Logan – The Wolverine mit Hugh Jackman in der Hauptrolle inspirierte.

Ach so: Wolverine: Old Man Logan ist im Juli 2025 auf Deutsch für knapp 16 Euro bei Panini Pocket erschienen. Und es ist bekanntlich ein Videospiel für PS5 namens Marvel's Wolverine bei Insomniac Games in Arbeit, das Sony-Studio hinter Spider-Man, das allerdings erst irgendwann nach März 2026 erscheinen soll.

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