Comic
Gegenwart, Western
Ed Brubaker (2021)
Pulp

Fazit
Wie fühlt es sich an, wenn man als älterer Mann zurückblickt? Wenn man das Gefühl hat, aus einer anderen Zeit zu kommen, in der andere Helden gefragt waren?
Das beantwortet Ed Brubaker (u.a. Criminal, Fatale) in einem wunderbaren Comic namens PULP, der 2020 auf Englisch bei Image Comics erschienen ist. Es handelt sich um eine abgeschlossene Story, die im New York der 30er Jahre spielt. Da versucht Max Winters, der den Wilden Westen noch erlebt hat, verzweifelt von seinen Geschichten aus dieser Zeit zu überleben – doch der Verleger setzt ihn unter Druck, will den billigen Shootout für die Zielgruppe.
Von Sean Phillips illustriert, entsteht hier ein Abenteuer auf zwei Ebenen. Ein wehmütiger Rückblick mit philosophischen Gedanken trifft auf die knallharte Realität der Gegenwart, in der an der Oberfläche andere Werte und Charaktere gefragt sind – man wird in einer rücksichtslosen Masse brutal ausgebeutet. Oder doch nicht? Wiederholen sich bestimmte Konflikte, Vorstellungen von Gut und Böse seit Ewigkeiten? Kehren wir trotz Bildung, Kultur und Fortschritt wie in einer Spirale immer wieder an dieselben Punkte zurück?
Abgesehen davon, dass dieser Comic nebenbei darüber aufklärt, dass es auch in Amerika noch kurz vor Ausbruch des Krieges pompöse Nazi-Aufmärsche mitten in New York gab, demonstriert er auf erzählerischer und zeichnerischer Ebene (mal wieder!) die große Kunst von Brubaker und Phillips. Ich habe diese Geschichte sehr genossen und gratuliere, dass sie 2021 den Eisner Award als "Best Graphic Album: New" gewonnen hat. Und es ist natürlich auch schön, dass sie mit diesem Titel den Begriff "Pulp" aufwertet und zur Diskussion über diese Literaturgattung anregt.














