Erkundung | Historie
Das Mittelalter ruft: Fünf aktuelle Spiele
Das Mittelalter war schon immer ein Teil der Spielkultur, von Defender of the Crown über Age of Empires II bis Total War. Wer in der gut sortierten Datenbank von Mobygames nach “Medieval” filtert, findet immerhin 1237 Titel. Okay, die Science-Fiction kommt auf über 19.000 und die Fantasy auf über 30.000 Einträge, aber die ist ja ein entfernter Verwandter des Mittelalters.
Das drückt auch die Phantastik in der erwähnten Liste aus, über die Historiker natürlich die Nase rümpfen. Denn dazu gehören demnach The Legend of Zelda: Ocarina of Time oder Guild Wars genauso wie Doom: The Dark Ages. Deshalb findet man beim aktuellen Steam Medieval Fest, das noch bis zum 27. April läuft, vermutlich auch Rabatte für Dark Souls, Crimson Desert oder Romancing Saga.
Auf Steam werden übrigens 748 Treffer angezeigt. Zu den so genannten Top-Demos gehören Heroes of Might and Magic: Olden Era, Tainted Grail: The Fall of Avalon, Dawn Of Defense, Deep Dish Dungeon, Gothic 1 oder Hearth and Hamlet. Besonders gut kuratiert ist dieses Fest nicht. Es gibt weder Abgrenzungen wie Früh-, Hoch- und Spätmittelalter oder gar Karolingerzeit und Kreuzzüge als Filter.
Aber dort finden sich Spiele wie Crusader Kings III oder Stronghold, die schon direkter historisch inspiriert sind. Und spätestens mit Inkulinati, Pentiment oder Kingdom Come: Deliverance 2 kommt man dem Mittelalter in seiner kulturellen Vielfalt näher, selbst wenn das Rollenspiel-Adventure von Josh Sawyer und Obsidian an der Schwelle zur Neuzeit spielt.
Diese ebenso lange wie vielfältige, etwa tausendjährige Epoche zwischen Antike und Neuzeit, hat die Menschen der Moderne schon immer fasziniert und auf ganz unterschiedliche Art angesprochen. Dabei hat vor allem die Blütezeit der Burgen und Ritter die Fantasie angeregt. Das älteste Spiel, das sich mit dem Mittelalter beschäftigte, war laut Mobygames übrigens Kingdom aus dem Jahr 1972.
Das erschien für Großrechner (Mainframe) und man schlüpfte rein textbasiert in die Rolle eines Königs, der sein Reich rundenbasiert managen muss, damit es über Landkauf und Getreide-Anbau gedeiht. Wenn man so möchte, ist das der Urahn mittelalterlicher Aufbaustrategie, die sich von Manor Lords bis Bellwright noch über ein halbes Jahrhundert später großer Beliebtheit erfreut.
Allerdings ist Kingdom eine Variante von Hamurabi, das schon 1968 erschien und, wie der babylonische Königsname verrät, in der Antike spielte. Danach folgen 1975 als Medieval Games schon Moria, Orthanc und The Dungeon, die nicht nur nach J.R.R. Tolkien oder Dungeons & Dragons klingen, sondern direkt davon inspiriert wurden – mehr dazu in der Geschichte der Rollenspiele.
Erst 1978 ging es in Joust etwas direkter um ein Turnier, bei dem Ritter im Lanzenduell um eine Prinzessin kämpfen. Also: Die Fantasy und das Mittelalter sind aus der Perspektive der Videospieler sehr früh eine Bindung eingegangen. Ich stelle fünf aktuelle bzw. kommende Spiele vor, die zumindest im Ansatz neugierig machen.
Scriptorium: Master of Manuscripts (PC)
Klingelt da was bei Yaza Games? Richtig: Die Polen haben mit Inkulinati demonstriert, wie kreativ und humorvoll man den grafischen Stil historischer Manuskripte, vor allem das Bréviaire de Renaud de Bar aus dem 13. Jahrhundert, nachahmen kann. Aber diesmal geht es nicht um Kampf und Rundentaktik auf vergilbten Seiten zwischen Füchsen, Eseln und Rittern, sondern darum, dass man selbst als Kunsthandwerker tolle Manuskripte erstellt.
Und die Aussicht auf digitales Handwerk hat es immerhin auf die Wunschliste von über 100.000 Leuten geschafft. Die können sich jetzt in der Demo in der eigenen Werkstatt versuchen, wobei ein Editor mit Drag&Drop zum Einsatz kommt, so dass man seine Manuskripte komfortabel mit all jenen Motiven illustrieren kann, die man u.a. aus Inkulinati kennt. Ziel des Spiels ist es, seine Kunden zu erfreuen und der erfolgreichste Schreiber des Landes zu werden.
Legends of the Round Table (PC)
Falls euch die Ästhetik aus Inkulinati oder Pentiment gefallen hat, könnte auch dieses Strategie-Rollenspiel rund um das Management der Tafelrunde von König Artus samt Lancelot, Gawain & Co neugierig machen. Es geht um Ehre, Quests und Romantik, Drachen, Ritter und Magie, wobei sich Kulisse und Farben an illustrierten Handschriften und Manuskripten des 13. Jahrhunderts orientieren. Auch die Musikuntermalung versucht sich an authentischen Klängen der Zeit.
Die Kämpfe zu Pferd (und natürlich auch mit Lanze) oder in Duellen mit dem Schwert laufen rundenbasiert ab, ansonsten werden die exklusiven Fähigkeiten der Ritter über Karten abgebildet, die man ausspielen kann. Das Spiel kommt vom Artifice Studio aus Quebec in Kanada, die zuvor u.a. Sang-Froid: Tales of the Werewolves und Conflicts – Revolutionary Space Battles gemacht haben, die 2013 und 2015 gutes bis sehr gutes Feedback erhielten. Es gibt eine Demo auf Steam.
Sovereign Tower (PC)
Nach Tainted Grail: The Fall of Avalon und Legends of the Round Table geht es auch in diesem Spiel um die Legende von König Artus. Die französischen Entwickler beschreiben es als “Round Table management RPG”, wobei man nicht aktiv erkundet, sondern seine Entscheidungen aus einem magischen Turm heraus trifft. Dort rekrutiert man Ritter, die man auf Quests schickt, während man es mit ihren teils schwierigen Charakteren zu tun hat.
Sollte es mal Zoff mit einem Sir geben, kann man die Zeit dank eines Dämons zurück spulen. Es soll um Entscheidungen und Konsequenzen gehen, bei denen Machtpolitik, Moral und Romanzen relevant sind. Außerdem kann man seinen Turm um Schmiede, Labor & Co ausbauen. Im August 2026 will Wild Wits Games das Spiel veröffentlichen. Sie haben bisher u.a. das Taktik-Roguelite Clawbound und das narrative Kartenspiel Crown Gambit gemacht. Es gibt eine Demo.
City States: Medieval (PC)
Wer es aufbautaktischer mag und Tower Defense nicht abgeneigt ist, kann sich am Management einer hochmittelalterlichen Stadt des Jahres 1110 versuchen. Das Besondere ist, dass man die Wahl zwischen so unterschiedlichen Metropolen wie Genua, Nowgorod, Granada oder Tripolis hat. Die übernimmt man nicht in ihrer Blüte, sondern errichtet sie vom Dorf samt Handel mit zwölf Ressourcen samt Außenposten, bis sie zu Wohlstand und Macht gelangen.
Damit bekommt das Spiel der kanadischen Reverie World Studios (Kingdom Wars 2) einen globalstrategischen Aspekt samt Weltkarte, auf der man Kolonien gründet und ganze Flotten befehligt. Der Reichtum lockt Rivalen an, denn man ist von Königreichen umgeben, die quasi ständig an die Palisaden und Mauern klopfen. Diese Linien muss man dann im Stile einer Tower Defense stärken und gegen Wellen von Feinden halten. Das Spiel befindet sich seit 20. April im Early Access.
Going Medieval (PC)
Falls euch Dwarf Fortress zu abstrakt ist, könnte dieser ebenfalls komplexe Siedlungsbau eine Alternative sein. Zwar wirkt der Voxelstil mit seinen gesichtslosen Bewohnern nicht auf den ersten Blick so gemütlich wie ein Manor Lords, aber das seit 17. März im Early Access verfügbare Spiel erhielt bisher größtenteils positive Kritiken von Usern und Presse. Allerdings ist das Mittelalter hier nur ein sehr grober thematischer Rahmen.
Ohne konkrete Bezüge geht es darum, nach einer Seuche mit nur drei Leuten eine neue Siedlung aufzubauen. Das Besondere ist, dass jeder eigene Fähigkeiten, Fehler und Wünsche mit einbringt. Ansonsten geht es auf den prozedural erstellen Karten um das Management von Rohstoffen und Nahrung, das Errichten von Gebäuden und Burgen sowie militärische Forschung und Taktik inkl. Überfälle, Belagerungen & Co. Es gibt eine Demo.










