Brettspiel
4X-Strategie
Touko Tahkokallio (2011)
Eclipse

Fazit
Wer anspruchsvolle Strategie im Weltraum sucht, kommt an Eclipse nicht vorbei. Dieses 4X-Meisterwerk des Finnen Touko Tahkokallio spielt sich wie eine komprimierte Variante der großen Space Opera Twilight Imperium und entwickelt dabei ganz eigene Stärken. Es ist nicht so episch konzipiert und lebt von mehr Glücksmomenten. Aber es hat mich 2011 komplett überrascht und gilt heute zurecht als Klassiker, für den bereits drei Erweiterungen erschienen sind und der 2020 mit dem Untertitel "Second Dawn for the Galaxy" samt neuem Artdesign sowie leicht angepassten Regeln für zwei bis sechs Spieler neu aufgelegt wurde. Ihr findet es auf Deutsch bei Pegasus:

Aber Eclipse war schon damals klasse designt und wenn wir uns Gefechte liefern wollen, landet das Original regelmäßig auf dem Tisch. Der Weltraum wird jedesmal aufs Neue modular ausgelegt, mit verdeckten Hexfeldkarten, während sich jeder eine Zivilisation mit exklusiven Fähigkeiten aussucht. Man startet in einem Sektor am Rand des Universums mit einem Aufklärer, einem Einflussmarker sowie Kolonisten. Hinzu kommt die neutrale Fraktion der Ältesten und im Zentrum der Galaxie liegt quasi ihr heiliges, für den Sieg überaus relevantes Zentrum.
Schon in den ersten Zügen entwickelt sich ein angenehmer Spielfluss der Erkundung, Expansion sowie Entwicklung, zumal das Einfluss-Geld-Prinzip sehr durchdacht ist. Auf der Spielertafel zeigen drei Marker die aktuellen Einnahmen an Geld, Forschung sowie Rohstoffen, die z.B. durch das Aufdecken neuer Sektoren sowie das Besiedeln von Planeten steigen. Und sobald ein Kolonistenstein dafür eingesetzt wird, sieht man darunter sofort den Profit.
Das System erinnert an das Bevölkerungsmanagement aus "Im Wandel der Zeiten" und wird durch die besondere Rolle des Geldes für den Einfluss noch interessanter, denn je mehr man baut, entwickelt, erkundet oder aufrüstet, desto teurer wird es. Also entsteht dieses angenehme Grübeln, denn man muss Prioritäten setzen und gleichzeitig auf die Aktionen der anderen achten, denn Runde um Runde rücken sie näher. Dabei muss man wie erwähnt auch mal Glück haben, wenn man Karten mit unbekannten Planeten aufdeckt oder verdeckt aus einem Beutel die Belohnung zieht, aber das lockert das Abenteuer auch auf. Und die Forschung spielt eine sehr wichtige Rolle, denn man kann diverse Waffen-, Schild- und Schubsysteme entwickeln.
Hinzu kommt neben dem individuellen Flottenbau über en detail modifizierbare Kreuzer, Schlachtschiffe und Sternenbasen das ebenso transparente wie taktische Kampfsystem: Je nach Waffensystem wirft man gelbe, orange oder rote Würfel; eine eins ist immer ein Patzer, eine sechs ein Treffer. Die anderen Ergebnisse, also alles von zwei bis fünf, werden von Ausrüstung wie Schilden oder Computern modifiziert. Sprich: Wer eine vier würfelt und einen Computer+2 auf seinem Schiff hat, erhält eine sechs und landet einen Treffer.
Aber man gewinnt Siegpunkte nicht nur durch Gefechte, sondern auch durch Erkundung und Bau. Die einzige Schwäche ist evtl. die Diplomatie, die es zwar gibt, aber die stark vom Rollenspiel der Gruppe abhängt und nich derart relevant ist wie in Twilight Imperium. Dafür hat man jedoch viele Möglichkeiten, seine Zivilisation in bester 4X-Manier zu entwickeln und einige Zufallselemente sorgen dafür, dass sich nicht jedes Spiel gleich anfühlt. Eclipse sorgt bis heute bei uns für spannende Abende, denn man braucht hier kein ganzes Wochenende, sondern kann auch zu viert in etwa zwei Stunden den Gewinner ermitteln. Ach so, wer es digital ausprobieren mag: 2013 ist eine gute digitale Variante für iOS erschienen, die 2016 für PC umgesetzt wurde.














